Freitag, 18. Dezember 2020
Regierungsrat schliesst die Skigebiete

Der Kanton Schwyz verweigert den Skigebieten die Betriebsbewilligung, dies vorerst für eine Woche. Der Skilift Seebodenalp ist derzeit wegen Schneemangel ohnehin nicht in Betrieb, wartet auf Neuschnee und trägt den Entscheid mit Fassung.

fab. Kurz nachdem der Bundesrat am Freitag die Corona-Massnahmen ein weiteres Mal verschärft hatte, traten die beiden Schwyzer Regierungsräte Petra Steimen und Andreas Barraud vor die Medien. Im Fokus hatten sie die Skigebiete in den Schwyzer Bergen. Ab dem 22. Dezember benötigen diese eine kantonale Betriebsbewilligung. Ob sie erteilt werden kann, hängt von der epidemiologischen Lage ab und davon, ob die Spitäler über genügend Kapazitäten verfügen, ob das Contact-Tracing gewährleistet werden kann und ob die Testkapazitäten ausreichen.

Schwyzer Spitäler «an der Belastungsgrenze»
Die Schwyzer Skigebiete erhalten vorerst keine Betriebsbewilligung. «Der Kanton Schwyz erfüllt zurzeit die epidemiologischen Voraussetzungen klar nicht», stellte die Schwyzer Gesundheitsdirektorin Petra Steimen mit Blick auf die steigenden Fallzahlen und den deutlich zu hohen Reproduktionswert fest. Letzter liegt bei 1,28. Das bedeutet, dass derzeit 100 Infizierte 128 weitere Personen mit dem Coronavirus anstecken. Damit die Fallzahlen zurückgehen, müsste der R-Wert unter 1 liegen.

Noch wichtiger als die Fallzahlen und der R-Wert ist der Gesundheitsdirektorin aber die Belastung der Schwyzer Spitäler: «Sie sind an ihrer Belastungsgrenze», erklärte sie. Auch die Kapazitäten der sogenannten Listenspitäler Zürich und Luzern seien praktisch ausgeschöpft. Sowohl die Test- als auch die Contact-Tracing-Kapazitäten reichten derzeit zwar aus, aber das alleine genüge nicht.

Vom 22. bis 29. Dezember bleiben die Skigebiete somit geschlossen. Die Schliessung betrifft sämtliche Ski- und Sessellifte, alle Skipisten sowie alle Schlittelwege. «Die Massnahme soll vor allem dazu beitragen, die Zahl der Unfälle zu reduzieren, damit die Spitäler nicht noch stärker belastet werden», erläuterte Petra Steimen. Volkswirtschaftsdirektor Andreas Barraud sekundierte, der Regierungsrat habe sich den Entscheid nicht einfach gemacht und bedaure ihn ausserordentlich.

Verständnis auf der Seebodenalp
Zu den Betroffenen der Zwangsschliessung zählt das Küssnachter Skigebiet auf der Seebodenalp. Werner Hartmann, Präsident des Vereins Skilift Seebodenalp, sagt in einer ersten Stellungnahme, er habe bereits gespürt, dass so etwas kommen könnte. «Es tut weh, wenn man mit Herzblut dabei ist und dann schliessen muss.» Hartmann zeigt jedoch Verständnis für den Entscheid: «Im Kanton Schwyz hat es einfach zu viele Corona-Fälle.»

Das Skigebiet Seebodenalp bleibt nicht erst ab 22. Dezember geschlossen, sondern ist es bereits. Grund dafür ist der Schneemangel. Die Prognosen deuten allerdings darauf hin, dass es auf Weihnachten wieder schneien könnte. «Wir sind ein kleines Skigebiet. Andere wie Stoos oder Hoch-Ybrig sind viel schlimmer betroffen», sagt Werner Hartmann. Der Verein Skilift Seebodenalp könne die Schliessung finanziell verkraften, sofern sie nicht allzu lange dauere.

Nicht betroffen von der Schliessung der Skigebiete sind übrigens die Bergbahnen. Die Luftseilbahn Küssnacht-Seebodenalp darf somit weiterhin fahren, sofern die Kabinen nur zu zwei Drittel gefüllt werden.

Schliessung könnte länger dauern
Eine Prognose, wann die Skigebiete wieder eröffnet werden könnten, wagt derzeit niemand. Die epidemiologische Entwicklung im Kanton Schwyz deutet nicht auf eine Verbesserung, sondern auf eine Verschlechterung hin. Am Freitag kletterte der 7-Tage-Schnitt neuer Corona-Fälle auf 106,3. Innerhalb eines Tages vermeldete der Kanton 141 neue Corona-Fälle und vier weitere Todesfälle infolge einer Covid-19-Infektion.

Wie es für die Skigebiete nach dem 29. Dezember weitergehe, kommuniziere der Regierungsrat, sobald er entschieden habe, sagte Gesundheitsdirektorin Steimen am Freitagnachmittag und betonte, dass für eine Wiedereröffnung insbesondere die Spitalkapazitäten ausschlaggebend seien.

Am Freitagnachmittag gaben ausserdem die Kantone Zug und Luzern bekannt, dass ihre Skigebiete ebenso für eine Woche schliessen müssen. Der Kanton Uri wird am Wochenende darüber entscheiden. Mitteilungen der Kantone Nid- und Obwalden stehen noch aus.

Erneuter Appell an die Bevölkerung
Der Kanton Schwyz beschloss am Freitag keine weiteren Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die über jene des Bundes hinausgehen. Einmal mehr appellierte Gesundheitsdirektorin Petra Steimen an die Bewohner des Kantons Schwyz, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen und die Massnahmen konsequent zu befolgen. «Wir sind auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen», betonte sie.

Nahezu-Shutdown ab Dienstag
Der Bundesrat entschied am Freitag, dass ab Dienstag, 22. Dezember, alle Restaurants sowie Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen schliessen müssen. Dies bis am 22. Januar. Take-away-Angebote und Lieferdienste bleiben erlaubt. Ausserdem wird die Anzahl Personen, die sich gleichzeitig in Einkaufsläden aufhalten dürfen, weiter eingeschränkt. Kantone mit günstiger epidemiologischer Entwicklung können Erleichterungen beschliessen und beispielsweise Restaurants oder Sporteinrichtungen wieder öffnen. Massgebend, so der Bundesrat, seien hier insbesondere ein R-Wert unter 1 und eine 7-Tages-Inzidenz, die unter dem Schweizer Durchschnitt liegen müsse.

Der Bundesrat forderte die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben, die sozialen Kontakte auf ein Minimum zu beschränken und auf nicht notwendige Reisen und Ausflüge zu verzichten.

Mitarbeit: Patrick Caplazi