Mittwoch, 24. Mai 2017
Schaute die Schulleitung einfach weg?

Übers Wochenende geriet das Gymnasium Immensee wegen Vorwürfen einer ehemaligen Schülerin unter enormen Druck. In den 90er-Jahren hatte sie ein intensives Verhältnis zu einem Lehrer, das ihr zufolge in sexuelle Übergriffe mündete. Die Schulleitung ist nun gefordert, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

fab. 21 Jahre nach ihrer Matura packt eine ehemalige Gymi-Schülerin im Tages-Anzeiger aus. Sie erstattet Anzeige gegen ihren damaligen Lehrer und bezichtigt ihn sexueller Übergriffe. Im Gymnasium und unter ehemaligen Schülern schlug ihre Geschichte wie eine Bombe ein. Dass die Betroffene mit ihrem Lehrer ein Verhältnis hatte, war in den 90er-Jahren nämlich bekannt – dessen Ausmass jedoch nicht.

«Beziehung war offensichtlich»
Der geschilderte Missbrauch sei zwar nicht offenkundig gewesen, doch war es «offensichtlich dass der Lehrer und die Schülerin eine sehr nahe Beziehung hatten», schreibt beispielsweise der einstige Gymnasiast Daniel Bütler in einem offenen Brief an den heutigen Rektor, den der FS in seiner Freitagsausgabe in voller Länge publiziert. Bütler fragt sich, weshalb im Lehrerkollegium bei niemandem die Alarmglocken läuteten.

Der ehemalige Gymi-Schüler spricht offen aus, was verschiedene Ehemalige unabhängig voneinander dem FS in vertraulichen Gesprächen schilderten. Besonders im Fokus steht die damalige Schulleitung unter dem langjährigen Rektor Bruno Thurnherr. Was wusste das Rektorat? Weshalb griff niemand ein? Und wie kann es sein, dass eine von der betroffenen Schülerin angeregte Untersuchung im Jahr 2002 einfach versandete? «Statt sich Tatsachen zu stellen, wurde beschönigt», wirft Bütler der damaligen Schulleitung vor. Es dränge sich der Eindruck auf, dass man die Sache möglichst schnell und leise unter den Tisch kehren wollte.

Nur der heutige Rektor spricht
Die Vorwürfe sind happig – und nachvollziehbar. Gerne hätte der FS mit dem damaligen Rektor gesprochen, doch dieser schweigt. Stellung nimmt derzeit einzig der heutige Rektor Benno Planzer, der nun die schwierige Aufgabe hat, die Altlasten des Gymnasiums aufzuarbeiten. In einem ausführlichen Interview äussert sich Benno Planzer in der Freitagsausgabe zu den Geschehnissen, jedoch bloss auf Basis von unvollständigen Akten aus der damaligen Zeit.

Planzer lädt die Betroffene zum Gespräch ein und ist bereit, den 2002 unterbrochenen Aufarbeitungsprozess gemeinsam mit ihr wieder aufzunehmen. Tauchten neue Fakten auf, sei das Gymnasium Immensee sofort bereit, diese zu prüfen und entsprechend zu reagieren.