Sonntag, 1. April 2018
Damals als der Hirschen brannte

Frohe Ostern gab es keine vor 35 Jahren: In der gleichen Nacht, in der das Hotel Hirschen brannte, verstarb auch Pfarrer Werner Durrer.

su. Erst hörte er Schreie, dann stand er auf, trat ans Fenster und sah das lichterlohe Feuer. Es war Feuerwehr-Oberleutnant Josef Donauer, der am Ostersonntag 1983 kurz vor 5.00 Uhr den Alarm auslöste. Der 300-jährige Altbau des Hotels Hirschen stand bereits in Vollbrand, als die 75 aufgebotenen Feuerwehrmänner im Küssnachter Unterdorf eintrafen.

Unverzüglich starteten sie mit der Rettung der 40 Gäste und Angestellten, die sich noch im Alt- und Neubau befanden. Diese verlief zwar zügig, gestaltete sich aber schwierig. Verständlicherweise sei «grosse Panik» ausgebrochen, wie der ‹Freier Schweizer› damals berichtete. Eine Frau erlitt gravierende Rückenverletzungen, da sie aus dem dritten Stock gesprungen war. Andere Gäste seilten sich mit einem Leintuch ab. Viele konnten «nur noch das nackte Leben retten», wie der ‹FS› schrieb, und waren lediglich in Pyjamas und Wolldecken gehüllt. Rund 15 Personen seien vom Modehaus Marcon «ausstaffiert» worden, das extra seine Pforten öffnete.
Zu spät kam die Rettung für eine 21-jährige Hotelangestellte, die erst 14 Tage zuvor aus Spanien nach Küssnacht gekommen war. Sie galt als vermisst, bis man ihre Leiche in den Trümmern fand. Zum Brand geführt hatten glimmende Zigaretten, die in einem Plastikeimer entsorgt wurden, als sich die letzten Gäste um 4.00 Uhr morgens verabschiedet hatten.

Weitere Hiobsbotschaft: Pfarrer tot
Die Nachricht eines unfassbaren Todes hatte auch Kaplan Fridolin Gasser zu überbringen. Sichtlich gebrochen trat er am gleichen Morgen vor die Gemeinde und verkündete, dass Werner Durrer verstorben war. Der 61-Jährige, der seit zehn Jahren in Küssnacht als Pfarrer wirkte, hatte am Karfreitag einen Hirnschlag erlitten, mitten in den Ostervorbereitungen und kurz vor der nachmittäglichen Liturgiefeier. Erste Berichte aus dem Luzerner Spital liessen am Samstag auf baldige Genesung hoffen. Umso grösser die Trauer, als am Ostersonntag stattdessen sein Tod verkündet wurde – am gleichen Tag, an dem 47 Jahre zuvor schon Durrers Vater gestorben war, ebenso früh und plötzlich. «Karfreitag und Ostern, Tod und Auferstehung sind so nahe beisammen», hiess es stimmigerweise in seiner Todesanzeige.