Mittwoch, 13. Mai 2015
Küferei fertigt riesigen Kübel

50 000 Liter fasst es, Essig soll bald darin hergestellt werden: Diese Woche wurde das Riesenfass in Küssnacht demontiert und im bernischen Busswil wieder aufgebaut.

bro. Das letzte Fass dieser Art wurde 1954 in der Schweiz installiert. Hersteller war eine deutsche Firma. Seither wurden solche Bottiche in der Schweiz weder gebaut noch installiert. Für die Fabrikation von Essig blieben einige alte Konstruktionen in Takt oder man verwendete stattdessen Chromstahl. Die Firma Nutrex in Busswil im Kanton Bern jedoch ist davon überzeugt: Ihr Essig wird mit einem Eichenfass feiner und besser.

Sie beauftragte die Küferei Suppiger einen solchen Bottich herzustellen: «Wir erhielten Pläne aus dem Jahr 1937. Da solche Essigbildner seitdem gar nicht mehr produziert wurden», erklärt Roland Suppiger, der das Geschäft im Chli Ebnet in der vierten Generation führt. Nicht einmal sein Vater wüsste, wie ein solcher Kübel hergestellt würde. Insgesamt 650 Stunden wendeten Suppiger und seine Mitarbeiter auf, um das Konstrukt fristgerecht herzustellen und zu liefern. Das Resultat ist ein fünf Meter hoher Konus* aus Eichenholz mit einem Durchmesser von vier Metern unten und 3,7 Metern oben. Acht Tonnen wiegt der Koloss ohne Inhalt.

Drei Tage für Installation
Anfang dieser Woche wurde der Kübel, wie ihn Suppiger selbst bezeichnet, auseinander genommen: «Wir können ihn nicht in einem Stück transportieren. Also nehmen wir ihn auseinander und bauen ihn dann bei der Firma Nutrex im Keller wieder auf.» Drei Tage dauerte die Installation mit nur vier Männern. Das Spezielle an der Konstruktion ist laut Suppiger die Form: «Normale Fässer sind gebogen.» Sie weisen in der Mitte den grössten Durchmesser aus. Der Riesenbottich ist am Boden jedoch weiter und wird dann gegen oben schmäler wie ein Wasserkessel. Schwierig dabei war vor allem, acht Zentimeter dicke Eichenbalken in der benötigten Länge zu finden. Für das Innenleben konnten aber zum Glück Teile eines alten Bottichs verwendet werden. «Das gibt dem neuen Bottich ein ganz neues Innenleben», so Suppiger.

Einzigartiger Auftrag
«Es ist speziell, dass wir so etwas bauen durften», freut sich Suppiger über den Riesenbottich, im Wissen, dass dies wohl eine einmalige Gelegenheit war. «Die Küferei ist ein aussterbendes Handwerk», ist sich Suppiger bewusst. Umso seltener sind Aufträge mit einem Volumen von rund 100 000 Franken. Rund 40 000 Franken machten die Materialkosten aus und den Rest die Arbeitsstunden. Ein Auftrag, an den sich Suppiger und sein Team noch lange positiv erinnern werden.

*Konus: Ein technisches Bauteil in Form eines Kegels oder Kegelstumpfes