Montag, 18. Juni 2018
Der Pfarrer verlässt Küssnacht

Der Küssnachter Kirchenrat und das Bistum Chur haben Pfarrer Werner Fleischmann von all seinen Aufgaben entbunden. Sie begründen den Entscheid mit dessen Geldproblemen.

fab. Die Nachricht des Kirchenrats und des Bistums Chur trifft die Küssnachter Katholiken mitten ins Herz. Gemeinsam haben Sie dem allseits beliebten, seit über 20 Jahren in Küssnacht tätigen Pfarrer Werner Fleischmann Ende letzter Woche gekündigt. Hintergrund der Kündigung ist gemäss ihrer Mitteilung die private Verschuldung des Pfarrers, die sich nach einer Schätzung des Kirchenrats auf einige Hunderttausend Franken beläuft. Zurückzuführen seien Fleischmanns Geldnöte auf Verluste bei spekulativen Geldanlagen und «höchstwahrscheinlich» auch Spielschulden.

Bistum schwieg jahrelang
Kenntnis von den finanziellen Problemen des Pfarrers hatten bis Ende 2017 nur der Bischofsrat und einzelne Privatpersonen, die Fleischmann um Darlehen gebeten hatte. Bereits 2011 hatte der Pfarrer dem Diözesanbischof offenbart, Spielschulden zu haben. Mangels Hinweisen auf strafrechtlich relevantes Verhalten und weil Fleischmanns Schulden als sanierbar galten, sah das Bistum Chur von einer Amtsenthebung und einer Meldung an die Küssnachter Kirchgemeinde ab. Danach unterstützte ein vom Bistum beauftragter Rechtsanwalt bis dato die Schuldensanierung.

Der Küssnachter Kirchenrat wurde nach eigener Aussage erst Ende 2017 auf die finanzielle Schieflage Fleischmanns aufmerksam, nachdem dieser rund 50 Angehörige der Pfarrei um Darlehen in beträchtlicher Höhe gebeten hatte, um seine Schulden zu begleichen. Als der Kirchenrat schliesslich dem gewaltigen Ausmass der privaten Verschuldung des Pfarrers gewahr wurde, kam es zur Aussprache. Fleischmann habe dabei seine finanzielle Situation allerdings nicht genügend offenbart, schreibt der Kirchenrat.

«Es tut mir unendlich leid»
So entschieden sich das Bistum Chur und der Kirchenrat schliesslich zur sofortigen Entlassung Fleischmanns. Gleichzeitig bedauert der Küssnachter Kirchenrat den Weggang des volksnahen Pfarrers, dankt ihm für seine guten Dienste und wünscht ihm viel Kraft. Per Montag, 18. Juni, hat Bischof Vitus Huonder Generalvikar Martin Kopp zum Pfarradministrator und Claudia Zimmermann zur Pfarreibeauftragten ad interim ernannt.

Werner Fleischmann weilt derzeit in Russland. Er teilt dem FS auf Anfrage mit, es tue ihm unendlich leid und er schäme sich vor allem vor jenen Menschen, denen er Unrecht getan habe. Nach Kräften werde er versuchen, entstandenen Schaden wiedergutzumachen. «Ich war sehr gerne in Küssnacht und habe mit Alt und Jung Wunderbares erlebt. Dafür danke ich aus tiefstem Herzen», sagt Fleischmann.

In seiner aktuellen Dienstagsausgabe druckt der FS die beiden Medienmitteilungen des Küssnachter Kirchenrats und des Bistums Chur ab, die ausschliesslich deren Perspektive wiedergeben.