web95Abschied Werner Fleischmann Montag, 26. November 2018
Gottesdienst im Zeichen des Abschieds

Am Wochenende wurde in der katholischen Kirche keine Predigt gehalten, dafür am Ende des Gottesdienstes eine Holzkiste verbrannt. Damit haben sich die Menschen symbolisch von Pfarrer Werner Fleischmann verabschiedet.

aj. «Mitte Juni wurde bekannt, dass unser Pfarrer Werner Fleischmann spielsüchtig ist. Daraufhin musste er sein Amt niederlegen», mit diesen Worten eröffnete Pfarreibeauftragte Claudia Zimmermann die katholischen Gottesdienste am Wochenende. «Es sind nun etwas mehr als fünf Monate vergangen – fünf Monate in denen die Pfarrei als Ganzes und viele einzelne Menschen durchgeschüttelt wurden. Die Reaktionen auf den Rücktritt von Werner Fleischmann sind unterschiedlich, weshalb ich sie hier nicht wiederholen muss. Wir sollten einander deshalb einfach zugestehen, dass jeder anders reagiert. Was jedoch immer wieder geäussert wurde, war der Wunsch, dass es trotz allem eine Art Verabschiedung von ihm gibt. Der Pfarreirat und das Seelsorgeteam haben sich diesbezüglich deshalb Gedanken gemacht. Im Bewusstsein, dass wir es nicht allen recht machen können, haben wir uns dafür entschieden, dass wir den Abschied im Rahmen des normalen Gottesdienstes organisieren wollen. Einerseits, weil so mehr Menschen die Möglichkeit haben, daran teilzunehmen, andererseits weil die meisten von uns Werner Fleischmann genau hier, beim Gottesdienst, erlebt haben. Deshalb wollen wir heute ganz bewusst für ihn und alle Menschen, die infolge seines Handelns leiden, beten.»

Wie angekündigt las Zimmermann anstelle der Predigt einen Brief von Werner Fleischmann vor. Da und dort war ein leises Schluchzen zu hören, als der ehemalige Küssnachter Pfarrer schriftlich in Erinnerungen schwelgte oder ein Lachen, als er sich dafür bedankte, dass die Küssnachter ihn 21 Jahre lang ertragen haben.

Wind der Vergebung
Im Anschluss an den 11.00-Uhr-Gottesdienst wurde auf dem Seeplatz eine Holzkiste ungeöffnet verbrannt. Darin befanden sich Briefe, in denen die Menschen schrieben, was sie bedrückt und mithilfe deren sie versuchten, symbolisch zu vergeben, zu vergessen und alles Traurige und Negative mit dem Wind forttragen zu lassen.

Lesen Sie den ganzen Abschiedsbrief von Werner Fleischmann in unserer aktuellen Dienstagsausgabe.